Kaum eine Frage kommt so oft wie diese: Sollen die Preise auf die Website – oder erst ins Gespräch?
Die ehrliche Antwort: Beides kann richtig sein. Aber die Entscheidung sollte aus deinem Angebot kommen, nicht aus dem Unbehagen, über Geld zu schreiben.
Was für offene Preise spricht
Menschen suchen den Preis – und zwar zuerst. Wer über deine Seite scrollt, sucht drei Dinge: Passt das zu mir? Wann ist es? Was kostet es? Fehlt eine dieser Antworten, entsteht eine Lücke, die viele Menschen nicht mit einer Nachricht schließen, sondern mit dem Schließen des Tabs.
Preis ist Vertrauen. Eine Seite ohne Preis wirkt auf manche wie ein Restaurant ohne Karte im Fenster: Wahrscheinlich teuer, wahrscheinlich unangenehm zu fragen. Sichtbare Preise nehmen genau diese Sorge weg.
Du sparst dir Anfragen, die zu nichts führen. Wenn dein Preis von Anfang an klar ist, schreiben dir vor allem Menschen, für die er passt. Das ist kein Verlust an Anfragen, sondern ein Gewinn an Zeit.
Die Hemmschwelle liegt beim Fragen, nicht beim Preis. Viele Menschen fragen nicht nach dem Preis, weil sie befürchten, danach schlecht Nein sagen zu können. Diese Hürde ist real – und du kannst sie mit einer Zahl auf der Seite auflösen.
Auch Suchmaschinen und KI-Assistenten lesen mit. Wenn jemand fragt „Was kostet eine Yoga-Einzelstunde in meiner Nähe?", kann nur zitiert werden, was irgendwo steht.
Was dagegen spricht
Eine Zahl ohne Kontext wirkt immer zu hoch. 50 € klingt anders, wenn direkt daneben steht: 60 Minuten, nur für dich, vorher abgestimmt, mit individueller Sequenz. Der Preis ist selten das Problem – der fehlende Wert daneben schon.
Individuelle Angebote lassen sich schlecht in eine Zeile pressen. Firmenkurse, Workshops, Retreats oder Serien in unterschiedlicher Länge: Wenn jede Anfrage anders ist, führt eine einzelne Zahl in die Irre.
Du legst dich fest. Preise auf der Website zu erhöhen fühlt sich unangenehmer an, als es im Gespräch zu tun – und wer alte Preise gesehen hat, erinnert sich daran.
Vergleichbarkeit schneidet in beide Richtungen. Wer nur auf Zahlen schaut, sieht nicht, dass deine Stunde etwas anderes ist als eine Kursstunde mit 20 Leuten.
Der Mittelweg, der in der Praxis am besten funktioniert
In fast allen Fällen, die ich mir angesehen habe, war die Lösung nicht „Preis ja/nein", sondern Preis an der richtigen Stelle:
- Erst der Wert, dann die Zahl. Beschreibe, was in der Stunde passiert, für wen sie ist und was danach anders ist. Der Preis kommt danach – nicht in den ersten Bildschirm.
- Sag, was enthalten ist. Dauer, Vorgespräch, individuelle Sequenz, Nachbereitung, Material. Aus einer Zahl wird so ein Paket.
- Arbeite mit „ab", wenn es wirklich variiert. „Firmenkurse ab 180 € pro Termin" ist ehrlicher als Schweigen und schützt trotzdem deine Spielräume.
- Nenne die Rahmenbedingungen gleich mit. Wie wird bezahlt, wie sagt man ab, wie lange gilt eine Serie? Das sind die Fragen, die sonst per Mail kommen.
- Halte die Preise an einer Stelle. Steht dieselbe Zahl an vier Orten, ist sie nach der ersten Erhöhung an drei Orten falsch.
Drei Fragen, die die Entscheidung abnehmen
- Ist mein Angebot standardisiert? Eine 60-Minuten-Einzelstunde hat einen Preis. Ein Firmenprogramm hat ein Gespräch.
- Wie viele Anfragen möchte ich beantworten? Wenn du wenig Zeit hast, filtert ein sichtbarer Preis für dich vor.
- Was passiert nach der Zahl? Wenn direkt danach ein klarer nächster Schritt kommt – Formular, Termin, Mail – trägt der Preis. Wenn die Seite dort endet, wirkt er wie ein Schlusspunkt.
Fazit
Wer ein klar umrissenes Angebot hat, sollte den Preis zeigen – aber erst, nachdem klar ist, wofür er steht. Wer überwiegend individuell arbeitet, darf ihn weglassen und stattdessen sehr genau erklären, wie ein Angebot zustande kommt und in welchem Rahmen es liegt.
Was in beiden Fällen nicht funktioniert: gar nichts dazu zu sagen und zu hoffen, dass gefragt wird.